Weltherztag 2026: Risiken rechtzeitig erkennen und behandeln.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit mit jährlich über 20,5 Millionen Todesfällen die häufigste Todesursache in der Bevölkerung.1 Am 29. September findet der Weltherztag statt. Der internationale Aktionstag der World Heart Federation macht weltweit auf die Bedeutung der Herzgesundheit und die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufmerksam. Daran beteiligen sich Organisationen in mehreren Ländern, darunter auch die Deutsche Herzstiftung. Ziel ist es, das Bewusstsein für Herzgesundheit zu stärken und Menschen zu zeigen, wie sie durch einen gesunden Lebensstil selbst aktiv zum Schutz ihres Herzens beitragen können – idealerweise, bevor es überhaupt zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommt.
In diesem Artikel erfährst du mehr über:
- den Weltherztag 2026 und darüber, wie du selbst aktiv werden können
- Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die häufig unerkannt bleiben
- die Rolle des LDL-Cholesterins bei der Entwicklung von Herzerkrankungen
- die Möglichkeiten, die du selbst zur Prävention einer Herz-Kreislauf-Erkrankung hast
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: eine immer noch unterschätzte Herausforderung
Laut der World Heart Federation stirbt jeder dritte Mensch an den Folgen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.2 Das liegt vor allem daran, dass diese Erkrankungen häufig unerkannt bleiben, weil sie i. d. R. keine oder lediglich unspezifische Symptome verursachen. So werden z. B. Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte häufig nur zufällig bei Routineuntersuchungen diagnostiziert. In anderen Fällen kommen Risikofaktoren und Krankheitszeichen erst ans Licht, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist und das Herz oder die Blutgefäße dauerhaft geschädigt sind – zum Beispiel nach einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall. Bei Frauen ist es zudem so, dass Herzinfarkte häufig andere (weniger offensichtliche) Symptome verursachen können als bei Männern – also nicht unbedingt nur den typischen Brustschmerz.3 Aus diesem Grund werden Herzinfarkte bei Frauen oft deutlich später festgestellt und behandelt als bei Männern. Dass Herzerkrankungen oder dafür verantwortliche Risikofaktoren übersehen werden, kommt aber nicht nur in der Erwachsenenmedizin vor: So werden rund 50 % aller angeborenen Herzfehler bei Babys nicht bei der Geburt diagnostiziert.4
Weltherztag 2026: Jede präventive Maßnahme zählt
Der Weltherztag 2026 steht unter dem Motto „Don’t Miss a Beat“ („Verpasse keinen (Herz-)Schlag“) und soll dabei helfen, dass Warnsignale rechtzeitig wahrgenommen und präventive Maßnahmen frühzeitig ergriffen werden. Außerdem soll er in der Bevölkerung ein Bewusstsein für unterschätzte Herz-Kreislauf-Risikofaktoren schaffen.
Auch die Deutsche Herzstiftung greift den Weltherztag 2026 mit einem eigenen Slogan auf: „Gib ACHT für ein starkes Herz“. Im Mittelpunkt stehen hier acht zentrale Faktoren für die Herzgesundheit sowie konkrete Tipps, wie du selbst aktiv zu einem stärkeren Herzen beitragen kannst.5
Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Die Deutsche Herzstiftung greift zum Weltherztag ACHT Faktoren auf, die bekannte Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind und gibt Tipps, wie du diese beeinflussen kannst:2,5
1) Bluthochdruck (Hypertonie): Kontrolliere deine Blutdruckwerte regelmäßig. Bleibt ein erhöhter Blutdruck unentdeckt und unbehandelt kann er die Gefäße schädigen und das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen.
2) Erhöhter Blutzucker (Diabetes mellitus): Achte auf deinen Blutzucker und lasse diesen regelmäßig kontrollieren.
3) Rauchen: Werde „rauchfrei“.
4) Übergewicht (Adipositas): Achte auf dein Gewicht, da Übergewicht das Herz-Kreislauf-System belastet.
5) Ungesunde Ernährung: Achte darauf ausgewogen und gesund zu essen.
6) Schlafmangel
7) Zu wenig Bewegung
8) Erhöhte Blutfettwerte: Ein entscheidender Faktor der Blutfettwerte ist der LDL-C-Spiegel (LDL-C = Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin), welcher zur Entstehung von Fettablagerungen in den Gefäßen und somit zu einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle beiträgt.6
Lebensstilanpassungen bleiben wichtig – reichen jedoch häufig nicht aus
Der Weltherztag soll ins Bewusstsein rücken, dass ein gesunder Lebensstil die Grundlage für ein starkes Herz ist.
Insbesondere bei deutlich erhöhten LDL-C-Werten z. B. aufgrund vererbbarer Fettstoffwechselstörungen (familiäre Hypercholesterinämie) oder bereits bestehender Gefäßablagerungen und/oder einer vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung reichen Lebensstiländerungen jedoch oftmals nicht aus, um die empfohlenen LDL-C-Zielwerte zu erreichen.7
Bei erhöhten LDL-C-Werten ist eine leitliniengerechte lipidsenkende Therapie ein essenzieller Bestandteil der Risikoreduktion, sofern der individuelle LDL-C-Zielwert durch Lebensstilmaßnahmen allein nicht erreichbar ist.8 Bei Personen ohne bestehende Risikofaktoren sollte der LDL-C-Wert bei < 116 mg/dl liegen.8 Bei Menschen, die bereits einen Herzinfarkt hatten oder die aus anderen Gründen ein sehr hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, sollte der LDL-C-Wert in einen Zielbereich von < 55 mg/dl gesenkt werden – in der Regel kann dies nicht nur durch Lebensstil-Anpassungen geschehen, sondern muss auch über eine medikamentöse Behandlung erfolgen.8 Neben der initialen Therapiewahl spielen regelmäßige Verlaufskontrollen, bedarfsgesteuerte Therapieanpassungen und eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation eine wichtige Rolle, um hierbei langfristige Behandlungserfolge zu erzielen.
Mehr Informationen zu LDL-C-Zielwerten und wie du dein Herz langfristig schützen kannst, findest du auch hier.
Darüber hinaus ist es wichtig zu wissen, dass Lebensstilmaßnahmen und eine medikamentöse Herz-Kreislauf-Therapie (z. B. mit Statinen bei erhöhten Cholesterinwerten oder mit einer konsequenten medikamentösen Einstellung des Bluthochdrucks) sich gegenseitig ergänzen.
Gesundheitspolitische Verantwortung stärken
Weniger als 20 % aller Länder haben aktuell eine landesweite Strategie zur Prävention und Bewältigung von Herzerkrankungen.9 Hilf mit und fordere deine Regierung und Fachgesellschaften auf, nationale Gesundheitspläne zur Prävention, Diagnose, Behandlung und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln und konsequent umzusetzen!
Fazit: Lieber früh erkennen als (zu) spät reagieren
Der Weltherztag erinnert in diesem Jahr daran, dass die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht erst nach einem Herzinfarkt beginnen sollte. Werde auch du daher jetzt aktiv: Informiere dich und starte mit kleinen Schritten, die deinem Herzen guttun – z. B. mit mehr Bewegung im Alltag. Eine frühzeitige Präventionsberatung sowie regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen und Laborkontrollen durch dein Arzt/deine Ärztin bieten außerdem wichtige Chancen, Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig zu identifizieren und zu behandeln. So kannst du dich und dein Herz schützen – weil jeder Herzschlag zählt!
Quellen:
- Cesare MD et al. The Heart of the World. Glob Heart. 2024; 25;19(1):11.
- World Health Organization. Cardiovascular diseases (CVDs); unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/cardiovascular-diseases-(cvds) (abgerufen am 13.08.2026)
- Joseph NM et al. Atypical Manifestations of Women Presenting with Myocardial Infarction at Tertiary Health Care Center: An Analytical Study. J Midlife Health. 2021;12(3):219–224.
- Pavlicek J et al. Major heart defects: the diagnostic evaluations of first-year-olds. BMC Pediatr. 2021; 21:528.
- Deutsche Herzstiftung. Weltherztag 2026: Gib ACHT für ein starkes Herz; unter: https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/publikationen-und-medien/weltherztag (abgerufen am 17.08.2026)
- Ference BA et al. Low-density lipoproteins cause atherosclerotic cardiovascular disease. 1. Evidence from genetic, epidemiologic, and clinical studies. A consensus statement from the European Atherosclerosis Society Consensus Panel. Eur Heart J 2017;38(32):2459–2472.
- Deutsche Herzstiftung. Cholesterinspiegel senken: Was wirklich hilft; unter: https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/cholesterin/cholesterinspiegel-senken#cholesterin-senken-medikamente (abgerufen am 13.08.2026)
- Mach F et al. 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: Developed by the task force for the management of dyslipidaemias of the European Society of Cardiology (ESC) and the European Atherosclerosis Society (EAS). Eur Heart J 2025;46:4359–4378.
- World Heart Federation.No more fragmented action: the case for national cardiovascular health plans; unter: https://world-heart-federation.org/news/no-more-fragmented-action-the-case-for-national-cardiovascular-health-plans/ (abgerufen am 13.08.2026)