Statine unter der Lupe: drei populäre Mythen im Faktencheck

Zeit für einen klaren Blick auf Statine: Welche Behauptungen stimmen, und welche halten der Prüfung nicht stand?

Statine unter der Lupe – drei populäre Mythen im Faktencheck

Rund elf Millionen Menschen in Deutschland bekommen Statine verordnet.1 Kein Wunder also, dass darüber viel gesprochen wird und dass sich die eine oder andere vermeintliche „Wahrheit“ schnell herumspricht. Doch manche dieser Annahmen über Cholesterinsenker sind schlichtweg falsch, und das Halbwissen kann sogar riskant sein. Hier erfahren Sie, wie die Mythen entstanden sind und was wirklich dahintersteckt.

Mythos Nr. 1: Rotschimmelreis als „sanfte“ Alternative zu Statinen

Rotschimmelreis wird häufig als „natürliche“ Alternative zu Statinen angepriesen. Doch diese Annahme ist irreführend.

Wie ist der Mythos entstanden? Der wichtigste Wirkstoff von Rotschimmelreis, Monacolin K, ist chemisch identisch mit dem verschreibungspflichtigen Statin Lovastatin.2 Dadurch ergeben sich sowohl vergleichbare Wirkungen als auch ähnliche mögliche Nebenwirkungen, aber …

Das Problem daran ist: Während verschreibungspflichtige Statine genau dosiert und auf Wirksamkeit sowie Sicherheit geprüft sind, schwankt der Gehalt an Monacolin K in Rotschimmelreis-Produkten stark. Einige Produkte sind dadurch wirkungslos, andere enthalten unkontrolliert hohe Mengen. Das geht mit einem entsprechend höheren Risiko für Nebenwirkungen wie Muskelschmerzen, Leberschäden oder Magen-Darm-Beschwerden einher.

Außerdem riskant: Ein weiteres ernstzunehmendes Problem ist die mögliche Belastung von Rotschimmelreis mit Schimmelgiften wie Citrinin, das die Nieren schädigen kann. „Natürlich“ bedeutet im Fall von Rotschimmelreis also nicht „besser“, sondern „unzuverlässig“ und teils sogar „riskant“.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weist ausdrücklich auf die Risiken des unkontrollierten Konsums von Rotschimmelreis hin.3

Mythos Nr. 2: Statine verursachen Vitaminmangel

Die Sorge, dass Statine durch einen reduzierten Coenzym Q10 Wert zu mehr Nebenwirkungen führen könnten, hält sich hartnackig. Gleichzeitig gibt es immer wieder Gerüchte, dass Statine einen Mangel an Vitamin D verursachen. Warum ist das so?

Statine und Coenzym Q10

Wie ist der Mythos entstanden? Cholesterin und Coenzym Q10 werden im Körper tatsächlich über denselben Stoffwechselweg gebildet. Da Statine diesen Prozess bremsen, sinken auch die Blutwerte von Coenzym Q10.4

Was bedeutet das? Es gibt Theorien, dass ein Mangel an Coenzym Q10 Muskelbeschwerden unter Statinen verstärken könnte. Doch in kontrollierten Studien konnte dieser Zusammenhang bisher nicht eindeutig bestätigt werden.5

Statine und Vitamin D

Die Wirkung von Statinen auf den Vitamin-D-Spiegel ist bislang nicht eindeutig geklärt. Einige Studien zeigen leicht erhöhte Werte, andere unveränderte oder leicht verringerte Werte.6-9

Also: Bisher gibt es keine überzeugenden Hinweise darauf, dass Statine einen klinisch relevanten Vitamin-D-Mangel auslösen.

Mythos Nr. 3: Statine fördern Demenz

Wie ist der Mythos entstanden? Frühe Einzelfallberichte und Beobachtungsstudien weckten die Vermutung, dass Statine das Risiko für Demenz oder Gedächtnisprobleme erhöhen könnten. Diese Sorge verunsichert viele Menschen und trägt dazu bei, dass der Mythos weiterlebt.

Was stimmt wirklich? Neuere Studien finden keinen Hinweis darauf, dass Statine das Demenzrisiko erhöhen; teils zeigen sie sogar Vorteile: Statine können Entzündungen in den Blutgefäßen verringern und die Gefäßfunktion verbessern – Prozesse, die bei Demenzformen, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht sind, eine Rolle spielen könnten.10 

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Fazit

Es lohnt sich also, genau hinzusehen: Manche Mythen enthalten einen kleinen wahren Kern, andere sind überholt oder nicht ausreichend erforscht – und manche sind schlicht falsch. Wer Statine einnimmt, sollte sich daher auf gesicherte Fakten verlassen statt auf Halbwissen.

Hinweise und Quellen

  1. Hüttemann D. Gut beraten: Vier Tipps zu Statinen im Medikationsplan. Pharmazeutische Zeitung. 17. Juni 2025. Abgerufen am 9. September 2025 von: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/vier-tipps-zu-statinen-im-medikationsplan-156803/
  2. Dujovne CA. Red Yeast Rice Preparations: Are They Suitable Substitutions for Statins? Am JMed. 2017;130(10):1148-1150. doi:10.1016/j.amjmed.2017.05.018. Abgerufen am 9. September 2025 von: https://www.amjmed.com/article/S0002-9343(17)30591-0/fulltext
  3. Gemeinsame Expertenkommission BVL/BfArM. Stellungnahme zur Einstufung von Rotschimmelreisprodukten. Februar 2016.
  4. Banach M, Serban C, Sahebkar A, et al. Effects of Coenzyme Q10 on Statin-Induced Myopathy: A Meta-analysis of Randomized Controlled Trials. Mayo Clin Proc. 2015;90(1):24-34. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25545331/ Abgerufen am 9. September 2025 von: https://www.mayoclinicproceedings.org/article/S0025-6196(14)00799-X/fulltext
  5. Taylor BA, Lorson L, White CM, Thompson PD. A randomized trial of coenzyme Q10 in patients with confirmed statin myopathy. Atherosclerosis. 2015;238(2):329-335. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25545331/
  6. Mazidi M, Rezaie P, Vatanparast H. Effect of statins on serum vitamin D concentrations: a systematic review and meta-analysis. Int J Prev Med. 2016;7:80.
  7. Radhakrishnan A, Kumar A, Thomas L. Statin therapy and Vitamin D. Int J Basic Clin Pharmacol.2015;4(5):859-863. doi:10.18203/2319-2003.ijbcp20150898.
  8. Sahebkar A, Rathouska J, Derosa G, Maffioli P, Nachtigal P, Banach M. Impact of Statin Therapy on Plasma Vitamin D Levels: A Systematic Review and Meta-Analysis. Curr Pharm Des.2017;23(6):861-869. https://www.ijbcp.com/index.php/ijbcp/article/view/700
  9. Yavuz B, Ertugrul DT, Cil H, et al. Increased Levels of 25-Hydroxyvitamin D and 1,25-Dihydroxyvitamin D After Rosuvastatin Treatment: A Novel Pleiotropic Effect of Statins? CardiovascDrugsTher. 2009;23(4):295-299. doi:10.1007/s10557-009-6181-8. Abgerufen am 9. September 2025 von: https://link.springer.com/article/10.1007/s10557-009-6181-8 
  10. Giannopoulos S, Katsanos AH, Kosmidou M, Tsivgoulis G. Statins and Vascular Dementia: A Review. J Alzheimers Dis. 2014;42(Suppl 3):S315-S320. doi:10.3233/JAD-132366. Abgerufen am 9. September 2025 von: https://content.iospress.com/articles/journal-of-alzheimers-disease/jad132366